Die Winterstarre |
Genau genommen halten Griechische Landschildkröten keinen Winterschlaf, sondern eine Winterstarre. Da sie wechselwarme Tiere sind, schlafen sie nicht und brauchen sich somit keine Fettreserven anzufressen. Auch hat eine Winterstarre nichts mit "Wollen" zu tun, sondern ist eine biologische Reaktion auf Kälte. Schildkröten fallen ab einer gewissen Temperatur automatisch in eine Starre. "Schläft" eine Schildkröte nicht, hat es nichts damit zu tun, dass sie "keine Lust" hat, sondern dass die Bedingungen dafür nicht stimmen. In erster Linie ist dies meist die Temperatur.
Vorbereitung auf die Starre |
- Gegen Mitte/ Ende August sollte man Kotproben auf Parasiten untersuchen lassen. Da nicht in jedem Kot Parasiten ausgeschieden werden, empfiehlt es sich, den Kot von drei aufeinander folgenden Tagen zu sammeln.
- Je nach Ergebnis hat man somit noch genügend Zeit, die Schildkröten ggf. dagegen behandeln zu lassen.
- Gegen Mitte/ Ende Oktober sollte man im Überwinterungsort die Temparaturen kontrollieren, da eine konstante Haltung von 4-6 Grad zwar nicht zwingend notwendig, aber förderlich für eine erfolgreiche Starre ist.
- Die Überwinterungsboxen sollten so tief mit Erde (lockere Gartenerde, Floraton3-Erde oder Rindenhumus) gefüllt sein, dass sich die Schildkröten problemlos komplett darin eingraben können.
- Die Überwinterungsboxen sollten auf vor Bezug schon am Überwinterungsort stehen, damit die Erde erstens dessen Temperatur annimt und zweitens es später nicht mehr zu Temperaturschwankungen führt
Die letzten vier Wochen vor der Einwinterung |
Je länger man den Sommer/ Herbst künstlich in die Länge ziehen kann, desto besser. Bei der Auswinterung nach 3-4 Monaten kann man dann die Schildkröten nämlich sofort wieder ins Freigehege setzen und erspart ihnen somit die übergangsweise Innenhaltung.
Ich selbst wintere meine Schildkröten je nach Witterung Mitte/ Ende November ein.
Im Freigehege lässt sich die Vorbereitung deutlich einfacher umsetzen als in einem Innengehege.
- Vier Wochen vor Einwinterung beginnt man damit, Wärmelampen sowie Umgebungstemperaturen regelmäßig zu reduzieren, sodass die Schildkröten anhand verkürzter Tageslängenb, niedrigeren Temperaturen und weniger Helligkeit den beginnenden Winter für die Winterstarre nutzen.
- Manche Halter baden ihre Schildkröten regelmäßig in lauwarmen Wasser, um die Darmentleerung anzuregen. In der Tat stimmt es zwar, dass der Darm nicht komplett gefüllt sein sollte, aber dennoch bin ich der Meinung, dass der Temperaturschock nicht unbedingt gesundheitsfördernd ist. Ich selbst bade meine Schildkröten daher am Anfang der Vorbereitung, später jedoch nicht mehr, damit der Temperaturunterschied nicht zu groß ist. Sollten noch Futterreste im Darm vorhanden sein, werden die in der Regel trotzdem noch ausgeschieden, ... auch ohne unsere Badehilfe.
- Futter und Wasser sollte man weiterhin anbieten, jedoch wird ab einer gewissen Temperatur die Schildkröte das Fresen selbst einstellen. Die Schildkröte wird inaktiver und wird sich teilweise über mehrere Tage hinweg einbuddeln. Die Erde sollte weiterhin feucht gehalten werden.
Die Einwinterung |
- Sobald sich die Schildkröten über mehrere Tage hinweg eingebuddelt haben, kann man sie ausbuddeln und in die angefeuchtete mit Erde gefüllte Überwinterungsbox setzen. Dort "deckt" man sie dann mit feuchtem Laub oder feuchtem Spaghnum-Moos zu und überführt sie zum Überwinterungsort.
- Zuvor kann man sie noch wiegen, um auch während der Starre den Gesundheitszustand daran zu erkennen
- Am Überwinterungsort sollten nun Temperaturen von 4-6 Grad herrschen. Je konstanter die Temperaturen gehalten werden, desto besser. Erfahrene Halter orientieren sich an den heimischen Temperaturen, jedoch sind höhere Temperaturen bei Anfängern nicht zu empfehlen
- Auch, wenn Schildkröten nun sehr selten atmen, sollte man je nach Überwinterungsort einmal die Woche für 30sec. für eine Durchlüftung sorgen
- Schildkröten sollen, werden und dürfen während der Zeit nicht fressen. Trinken werden sie zwar nicht, bereit stellen kann man es aber trotzdem.
- Die Umgebungstemperatur kann man mittels feuchten Substrates sowie feuchter Lufttemperatur (Wasserschalen in der Nähe) erhöhen. Feuchtigkeitsaufnahme über die Haut ist sehr wichtig, da sie auf andere Art ihren Feuchtigkeitshaushalt nicht aufrecht erhalten können
- Wenn man möchte, kann man sie alle 4-8 Wochen wiegen. In der Regel nehmen Schildkröten nicht oder nur sehr wenig ab. Mehr als 10% ihres Ausgangsgewichtes dürfen sie jedoch nicht verlieren und sollten sonst umgehend, aber langsam, ausgewintert werden. Das Wiegen sollte schnell erfolgen und ohne großen Temperaturschwankungen
Schildkröten buddeln sich normalerweise in der Box selbst wieder ein. Auf keinen Fall sollte man sie zubuddeln oder gar das Gesicht verdecken. Manche Schildkröten buddeln sich jedoch nicht ein, ist aber in vor Feinden geschützten Umgebungen gar kein Problem.
Sollte sich der Panzer rot färben, deutet es auf eine beginnende Sepsis oder Erfrierung hin. Daher ist die Kontrolle des Panzers von Vorteil. Solche Krankheiten können zwar auftreten, sind aber selten.
Die Auswinterung |
Die Auswinterung erfolgt wie die Einwinterung, ... nur umgekehrt.
Je nach Überwinterungsort werden die Schildkröten selbst wieder aktiv oder wir müssen da "nachhelfen". Nach 3-4 Monaten (bei Jungtieren reichen auch 6-8 Wochen) erhöht man in langsamen Schritten die Umgebungstemperatur. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich selbst bringe meine Schildkröten an einem Schönwettertag vom Kühlschrank zurück ins Freigehege bzw. in ihr Häuschen. Ich achte darauf, dass die Temperaturen an dem Tag die selben sind wie die im Kühlschrank. Zwar werde ich ab dann die Nächte vor Frost mittels Frostwächter (bei den adulten) bzw. mittels Deckelheizung (bei den Jungtieren) vor Frost schützen, jedoch übernimmt alle anderen Faktoren nun die Natur. Sie wird entscheiden, wie warm die Tage sind, wie lange die Sonnen scheint usw. Sobald die Schildkröten durch die Sonneneinstrahlung "wach" sind, schalte ich die Wärmelampe hinzu, desen Brenndauer Tag für Tag erhöht wird.
Mann kann aber auch den Kühlschrank einfach abstellen und die Tür weiter geschlossen halten, damit die Temperatur langsam und über mehrere Tage hinweg ansteigt.
Futter kann man sofort wieder anbieten, aber es kann einige Tage dauern, bis es angenommen wird. Manche Schildkröten sind schon am ersten Tag wieder fit, andere brauchen mehr Zeit.Um den Körper nicht zu überfordern, sollte man rohfaserreiche Nahrung (welche normalerweise ideal ist), nun vermeiden. Bitte also kein Heu und keine getrockneten Wildkräuter anbieten, sondern die frischen Wildkräuter von draußen. Die jungen Triebe dort sind noch nicht so reich an Rohfaser und ideal als Start nach der Starre. Es ist mühsam, sie zu suchen, aber es lohnt sich. Alternativ kann man (bei Frost oder Schnee) notfalls auch auf Romana- und Endiviensalat zurück greifen. Alle anderen Salatsorten bitte nicht.
Wasser sollte stets bereit sein, eben so wie Sepiaschale. Das Substrat sollte -wie das ganze Jahr über- feucht gehalten werden, insbesondere der Schlafplatz.
Meine Schildkröte bewegt sich nicht |
Dass die Schildkröte sich in der Starre oder auch bei der Azswinterung nur seeehhhr langsam bewegt, ist als Reaktion auf die Kälte ein biologisch normaler Zustand. Fehlen jedoch jegliche Bewegungen, so kann man mit einigen "Tricks" sie zur Bewegung animieren, um einen Tod ggf. auszuschließen.
Do
02
Feb
2012
Haltung










