Die Zucht |
Die Zucht von Schildkröten ist etwas absolut wunderbares und faszinierendes. Und doch muss man vorher abwägen, ob man die Eier wirklich ausbrüten sollte. Bevor man also mit der Zucht beginnt, sollte man sich fragen, was mit den Schlüpflingen passiert. Hat man den Platz und die finanziellen Möglichkeiten, diese bei sich zu behalten? Oder hat man feste Käufer, dessen Haltungsweise man überprüft und für richtig hält? Man sollte nicht "einfach so" züchten, um zu vermeiden, dass du oder der Käufer die Nachzuchten später aus Platz-, Zeit- oder Geldmangel abgeben muss. Sofern man also kein artgerechtes, verantwortungsbewusstes Zuhause bieten kann, sollte man die Eier lieber entsorgen, statt sie in den Inkubator zu überführen.
Welche Voraussetzungen brauche ich ? |
- Die Griechischen Landschildkröten müssen geschlechtsreif sein. Dies erkennt man am ausgeprägten Paarungsverhalten im Frühjahr, nicht aber zu verwechseln mit dem Dominanzverhalten.
- Die Eier sind bereits vor der Winterstarre vorhanden, bilden sich jedoch erst während der Starre weiter. Das heißt, dass ohne diese Winterstarre gar keine Eier gelegt werden. Eine Winterstarre ist daher eine wichtige Voraussetzung
- Die Schildkröte braucht einen Eiablageplatz, wo die Erde grabfähig und locker ist, ohne dass sie beim Graben zurück rutscht. In den meisten Fällen bauen die Halter einen nach Süden gerichteten Legehügel. Manche Schildkröten sind jedoch abgeneigt davon und suchen sich woanders eine Ablagestelle. Man sollte daher mehrere grabfähige Erdstellen im Gehege haben. Dies sollte spätestens ab Einsetzen der Geschlechtsreife vorhanden sein, damit die Schildkröte auch vor der Eiablage danach suchen kann
- Auch ohne Männchen können Schildkröten Eier legen, ... aber natürlich unbefruchtet. Um eine Legenot zu verhindern, muss daher auch ein Weibchen ohne Männchen über Eiablageplätze verfügen
- Eine artgerechte Haltung ist wichtig, dazu zählen die Temperaturen ebenso wie die Ernährung
- Da für die Bildung der Eier viel Kalzium benötigt wird, ist die Bereitlage von Sepiaschale besonders von Bedeutung
- Eine falsche Haltung und der Verzicht auf Kalzium und/ oder UV-Licht fördert die Gefahr einer Legenot!
Woran erkenne ich, dass die Schidlkröte bald Eier legt ? |
- Für die Bildung der Eier braucht die Schildkröte nun besonders viel Kalzium, sie wird also vermehrt zur Sepiaschale greifen
- Sie sucht nach einer geeigneten Eiablagestelle. Dazu wird sie vermehrt durchs Gehege laufen, eventuell oft an der Begrenzung entlang. Sie ist sehr aktiv
- Hat sie eine geeignete Stelle gefunden, wird sie Probegrabungen durchführen. Wahrscheinlich führt sie solche Grabungen an verschiedenen Stellen durch
- Die Männchen sprüren das und lassen ihre Artgenossin daher in Ruhe
Die Eiablage |
Zu welcher Tageszeit die Schildkröte Eier legt ist sehr unterschiedlich. Manche legen sie am späten Vormittag, manche mittags und manche lieber am späten Nachmittag. Auf jeden Fall spielen die Temperaturen eine Rolle. Der Eiablageplatz sollte sonnig, aber nicht zu heiß sein. Pralle Mittagssonne wird also vermutlich vermieden.
Die Schildkröte fängt an, mit den Hinterbeinen sorgfältig zu graben. Sie schaufelt die Erde nach und nach beiseite. Bis die Grube fertig ist, kann es sich über Stunden hinziehen.
Ist das Loch fertig ausgehölt, presst sie das erste Ei hinein. Wieviel Kraft dahinter steckt, merkt man anhand des Kopfeinziehens während der Pressphase. Vorsichtig bewegt sie mit den Hinterbeinen das Ei, bis es die richtige Lage erreicht hat. Anschließend presst sie das nächste Ei und bewegt auch dieses. Sobald keine Eier mehr nebeneinander, sondern übereinander liegen müssen, bedeckt sie die unteren Eier mit ein wenig Erde.
Wieviele Eier gelegt werden, ist sehr unterschiedlich. Es hängt sowohl von "Erfahrung" ab, als auch von Größe, Gewicht und Aufbau des Panzers. Manche legen nur ein Ei, andere bis zu 10. Ich selbst habe Gelege von zwei Eiern (Weibchen mit 500g Gewicht und höckrigem Panzer) und bis zu sieben Eiern (glatt gewachsenes 1000g schweres Weibchen) gehabt.
Sind alle Eier gelegt, wird die ausgehobene Grube behutsam wieder geschlossen. Vorsichtig nimmt die Schildkröte mit den Hinterbeinen die Erde und schiebt sie über die Eier. Sie ist inzwischen so erschöpft, dass man es ihr wegen des Zitterns ansieht und am liebsten helfen würde. Zum Schluss wird noch kleines Geäst, Gras u.ä. hin geschoben und am Ende kann man nichts mehr von den Strapazen erkennen. Hat man die Eiablage also verpasst, ist es sehr schwer, die entsprechende Stelle wieder zu finden.
Je nach Witterung und Temperaturen kann das Weibchen im Jahr bis maximal drei Gelege ablegen. Normal sind aber ein bis zwei Gelege jährlich.
Die Inkubation |
Nach der Eiablage kann man die Eier vorsichtig ausgraben. Ist die Eiablege über 12 Std. her, dürfen diese jedoch nicht mehr gedreht werden. Im Gegensatz zu Hühnereiern haben Reptilieneier nämlich keine Hagelschnur, welche den Dotter mittig hält. Nach einer Zeit sackt also der Dotter nach unter und die Schildkröte wächst am oberen Teil des Eis heran. Dreht man dasEi, wird die Schildkröte vom Dotter erdrückt und stirbt. Hilfreich ist daher, wenn man mit einem weichen Bleistift die obere Seite markiert.
Das Ei legt man in eine kleine Box (üblich sind Heimchendosen, aber es gehen auch saubere Marganinedosen o.ä.), wo sich das Brutsubstrat befindet. Man kann als Brutsubstrat sowohl die Erde verwenden, in welche das Ei gelegt wurde, als auch Vermiculite. Bei Vermiculite muss man jedoch beim Schlupf darauf achten, dass es nicht aufgenommen wird. Ebenso kann man das Ei komplett begaben, als auch nur zur Hälfte. Während die Anfänger das Ei meist aus Beobachtungsgründen halb eingraben, ist es bei erfahrenen Züchtern meist komplett unter der Erde. Beide Methoden führen jedoch zur erfolgreichen Zucht. Damit es jedoch auch bei halb eingegrabenen Eiern ein wenig naturnaher ist, sollte der Inkubator abgedeckt sein, damit kein Licht auf das Ei scheint.
Die Luftfeuchtigkeit sollte hoch sein, jedoch dürfen niemals die Eier mit Spritzwasser in Berührung kommen! Es bietet sich an, eine kleine Schale mit Wasser in den Inkubator zu stellen, damit das dann verdunstende Wasser die Luftfeuchtigkeit erhöht. Mehr braucht man nicht machen
Der Schlupf |
Ab dem 52. Tag wird sich die erste Schildkröte auf den Weg nach draußen machen. Sie wird mit dem sog. Eizahn ein kleines Loch ins Ei pieksen. Ab dem Zeitpunkt können jedoch noch mehrere Stunden bis Tage vergehen.
Innerhalb der nächsten Stunden wird sie das Loch vergrößern und nach bis zu drei Tagen geschlüpft sein. Nun ist sie besonders durstig.
Ich selbst habe im Inkubator ab Schlupfbeginn eine Schale, wo ich ein Taschentuch drin einbette. Dieses Taschentuch befeuchte ich mit Wasser, sodass dieses gut nass ist. Da es sich im Inkubator befand, hat die Temperatur die selbe wie die der Schildkröte. Ich überführe die Schildkröte dann also in diese Schale, wo sie ausgiebig trinken kann. Dort lasse ich sie noch eine Weile.
Die meisten Schildkröten haben mit Schlupfende ihren Dottersack aufgebraucht und der Bauchnabel ist geschlossen. Sobald der Bauchnabel geschlossen ist, kann man sie auch ins Freigehege o.ä. überführen. Dort kann man sie genauso halten wie die großen Artgenossen. Allerdings wäre es von Vorteil, wenn man auf eine erhöhte Feuchtigkeit achten und insbesondere den Schlafplatz feucht hält.
Manche Schildkröten haben beim Schlupf ihren Dottersack nicht zurück gebildet. Meist ist es bei denjenigen, wo der Züchter es zu eilig hatte und beim Schlupf half. Bitte aber nicht das Ei aufpulen. Die Schildkröte bleibt so lange im Ei, bis der Dotter vollständig aufgebraucht ist.
Ist der Dotter trotz allem noch vorhanden, sollte man die Schildkröte in einen sterilen Behälter überführen und im Inkubator lassen. Je weniger Keime daran gelangen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Dotter innerhalb des folgenden Tages zurück bildet. Sobald der Bauchnabel vollständig geschlossen ist, kann auch sie ins "richtige" Gehege.
Die Bauchfalte bildet sich binnen weniger Stunden zurück.
Nach dem Schlupf |
Nach dem Schlupf kann man die Schildkröte genauso aufziehen wie auch die großen. Vorteilhaft ist jedoch eine erhöhte Feuchtigkeit. Bewährt hat sich der Einsatz von Spaghnum-Moos, welcher regelmäßig befeuchtet wird und gerne als Unterschlupf angenommen wird.
Man kann die Schildkröten nun im Freigehege mit beheiztem Frühbeet halten, sollte sie jedoch nicht zu größeren Schildkröten setzen, da der Panzer noch weich ist und darüber kletternde schwere Schildkröten ihnen schaden könnten. Alternativ kann man auch eine Box (z.B. die eines Meerschweinchenkäfigs) nehmen und diese je nach Wetter draußen oder drinnen hin stellen. Da man die komplette Kiste bewegt und nicht die Schildkröte, vermindert man damit das verbundene Stressrisiko auf das Minimum. Da jedoch die nächtliche Temperaturabsenkung vorteilhaft ist, wäre eine Frühbeethaltung einer solchen vorzuziehen.
Die kleinen Nachzuchten können schon im ersten Winter in die Winterstarre. Gerne behaupten Zoo"fach"verkäufer das Gegenteil. Trotzdem können erfahrene Züchter bestätigen, dass die Starre nicht schädigend, sondern gesundheitsfördernd ist. Im Gegensatz zu den adulten Schildkröten starren die kleinen jedoch nur 6-8 Wochen, also so lange, wie es auch in der Natur so ist.
Do
02
Feb
2012










