Schildkröten einzeln oder in Gesellschaft halten?
Schildkröten sind Einzelgänger. Das sieht und hört man oft, ... und es stimmt auch. Lediglich zur Paarungszeit suchen sich Schildkröten Artgenossen.
Trotzdem sollte man Schildkröten nicht einzeln halten. Man hat festgestellt, dass sich Schildkröten, welche in einer Gruppe leben, viel sozialer verhalten und entwickeln. Schildkröten, welche einzeln gehalten wurden, neigen zu aggressivem Verhalten und Verhaltensstörungen. Insbesondere Videos von Besteigen eines Schuhs werden als lustiges Vorführvideo verbreitet und mag auf den ersten Blick witzig aussehen, ist jedoch nicht das, was ein verantwortungsvoller Halter seinen Tieren zu wünschen vermag. Es gibt auch andere Verhaltensstörungen, die Schildkröten in Einzelhaltung erleiden.
Eine einzeln gehaltene Schildkröte lässt sich später nur schwer in eine Gruppe integrieren. Sie wird sich besonders aggressiv und aufdringlich verhalten, sodass die Artgenossen gestresst oder gar verletzt werden.
Also auch, wenn Schildkröten Einzelgänger sind, sollte man sie in Hinsicht auf eine gesunde, artgerechte Entwicklung in einer Gruppe halten. Da Männchen eher zur Aggressivität neigen, ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Weibchen in der Überzahl sind. Auch ein großes, gut strukturiertes Gehege fördert die Verträglichkeit.
Vergesellschaftung mit anderen (Haus-)Tieren
So manches Mal höre ich die Frage, ob man Schildkröten nicht auch mit anderen Tieren zusammen halten kann. Leider sind die häufigsten Aussagen solche, dass Hund und Schildkröte sich den Wohnzimmerfußboden teilen, Nager auf der Schildkröte reiten oder Vögel darauf landen. Aber auch die Vergesellschaftung mit anderen Reptilien wird durchaus in Betracht gezogen. Aus verschiedenen Gründen sollte man dies jedoch ablehnen:
- Hunde
Hunde sind sehr neugierige Tiere. Sie schleichen sich heran, wedeln mit dem Schwanz, hopsen umher, schnüffeln, lecken, verschwinden und kommen wieder angesprungen. Während die einen Hunde sich ängstlich zurück ziehen, springen andere hin und her. Wieder andere sehen es als Spielzeug, tippen die Schildkröte an und schupsen vielleicht. All diese hektischen Bewegungen sind purer Stress für die Schildkröte. Abgesehen davon, dass der Stress sie krank macht, kann auch der liebste Hund gefärhrlich werden. Bedenke, dass Schildkröten nicht zeigen können, dass ihnen das nicht gefällt.
- Katzen
Schildkröten gehören aufgrund der Geschwindigkeit nicht in das beuteschema einer Katze. Weder Katzen also noch dessen Kot ist gefärhlich für sie. Dennoch ist wie beim Hund die Schildkröte beim Herumgehopse einer Stressituation ausgesetzt. Um diese krankmachende Sitiuation zu vermeiden, sollte man die Katzen nicht an Schildkröten ran lassen. Während Katzen jedoch im Freigehege harmlos sind, sollte man im Innengehege erhöhte Acht darauf geben.
- Vögel
Vögel stellen für Schildkröten eine große Gefahr dar. Für so manche mag es vielleicht lustig aussehen, wenn der Wellensittich die Schildkröte als Taxi benutzt, dennoch darf die von ihm ausgehende Gefahr nicht unterschätzt werden. Vögel picken nunmal gerne alles an. Insbesondere Neues ist interessant und muss "untersucht" werden. Der Schnabel ist sowohl bei großen als auch bei kleinen Vögeln derart spitz, dass er trotz der robusten Haut die Schildkröte schnell verletzen kann. Auch sind die Krallen, welche beim "Huckepack" auf dem Panzer und zwischen den Panzerplatten Halt finden, schmerzhaft, da unter der dünnen Hörnschicht die Nervenbahnen liegen, erst dann beginnt der feste Panzer. Insbesondere zwischen den Hornplatten ist die Schildkröte besonders empfindlich und sollte vor solchen Gefahren geschützt werden.
- Nager
Meerschweinchen, Kaninchen, Hamster & Co. haben nichts bei Schildkröten zu suchen. Abgesehen davon, dass sie im Gegensatz zu Schildkröten nicht zu den wechselwarmen Tieren gehören, haben sie auch insgesamt gesehen ganz andere Haltungsansprüche. Desweiteren nagen Nager nunmal gerne etwas an. Auch wenn die meisten unter ihnen Pflanzenfresser sind, sind sie eine Gefahr für Schildkröten. Sie können problemlos an deren Gliedmaßen knabbern, ohne dass die Schildkröte sich wehren kann. Auch der liebste Nager kann eine Gefahr sein.
- Reptilien
Anedere Reptilien gehören nicht mit Schildkröten zusammen. Jedes Reptil aus anderen Gründen. Leguane zum Beispiel tragen eine für sich ungefährliche Parasitenart in sich. Schildkröten jedoch reagieren empfindlicher auf diese.
Andere Schildkrötenarten sollten ebenfalls getrennt gehalten werden, weil sie andere Haltungsansprüche haben.
Bartagamen wiederum werden so trocken und warm gehalten, dass es für Griechische Landschildkröten genau die entgegen gesetzte Art der Haltungsform wäre und somit gesundheitsschädigend ist.
Fazit
Jedes Tier hat seine eigenen Haltungsansprüche. Die einen werden trocken gehalten, andere feucht. Die einen leben auf Bäumen, andere in Höhlen. Manche sind nachaktiv, andere tagaktiv und währen die Einen wild und verspielt sind, sind andere relaxt und wollen ihre Ruhe. Manche sind Vegatarier, andere Allesfresser. Manche halten Winterstarre, andere Winterruhe und wider andere sind ganzjährig aktiv. Auch die Temperaturen und Luftfeuchte ist bei jedem anders.
Jedes Tier reagiert anders auf die Krankheiten, die für andere harmlos sind. Jedes Tier reagiert anders auf die Verhaltensweisen des anderen.
Kurzum gesagt: Auch harmlose Tiere, welche im Habitat niemals aufeinander treffen würden, gehören nicht zusammen, Auch nicht mit Zusammenhelfen in menschlicher Obhut und dessen Hilfe.
