Wo lasse ich mich beraten und wo kaufe ich eine Schildkröte?
Es gibt so viele verschiedene Meinungen zur Haltung, so viele verschiedene Möglichkeiten zum Kauf. Aber auf welche Haltungsformen kann ich mich verlassen und wo ist ein Schildkrötenkauf am besten?
Eine Auflistung einiger Möglichkeiten soll dir hier bei der Entscheidung helfen.
Der Zoofachhandel
Ich möchte sowohl von der Beratung dort als auch vom Kauf in diesen Läden abraten.
Ich habe sowohl eigene Erfahrungen dort sammeln können als auch bereits von einigen Käufern Feedbacks erhalten.
Leider ist es so, dass die Verkäufer dort zwar einen sog. Sachkundenachweis vorweisen müssen, jedoch die dort erlernten Informationen zu verdrängen scheinen. Denn entgegen der gesunden Haltungsweisen schwatzen die Mitarbeiter einem dort sowohl das falsche Zubehör auf als auch kranke, falsch gehaltene Tiere.
Sie sagen dort gerne, dass Schildkröten in Terrarien gehalten werden, auf trockenem Substrat leben, von Pellets, Salat und Obst ernährt werden und man in den ersten Jahren auf den Winterschlaf verzichten kann. Aber genau all das ist falsch, weder die Ernährung ist die richtige, noch das Substrat und erst Recht das Terrarium. Auch die kombinierten Wärmelampen mit angeblichen UV-Anteil erfüllen weder ihren Zweck noch haben sie eine lange Lebensdauer. Und warum erzählen sie das alles, wenn es nicht stimmt? Weil sie daran verdienen. Warum sollen sie sagen, dass mann (fast) alles im Baumarkt bekommt? Wie können sie sagen, dass Jungtiere Winterschlaf halten, wenn sie doch auch im Winter zum Verkauf stehen? All diese "Empfehlungen" sind zum Leid des Tieres, aber zum Wohle des Geschäftes.
Mit einem Kauf einer Schildkröte dort unterstützt ihr die schlechte Haltung und Beratung dort. Die Schildkröte wird einfach wie Ware ausgetauscht. Sie verdienen daran und auch hier gilt: Nachfrage bestimmt das Angebot.
Der private Züchter
Der private Züchter ist die beste Entscheidung, vorallem für Anfänger.
- Du kannst dich dort unverbindlich beraten lassen, ohne etwas aufegschwatzt zu bekommen
- Du kannst dir ansehen, wie die Schildkröte gehalten wird
- Du kannst dir die Elterntiere ansehen
- Die Schildkröte hat bei einem serösen Züchter die erste Winterstarre gemacht und somit die beste Voraussetzung für einen gesunden Start ins Leben
- Du kannst dir ansehen, wie sie ernährt und überwintert wird
- Du kannst dir sowohl Geschwistertiere als auch Tiere anderer Gelege kaufen
- Anhand der Bruttemperatur kann dir der Züchter Männchen oder Weibchen verkaufen
- Der Züchter steht dir auch nach dem Kauf als Berater zur Verfügung
Natürlich gibt es auch dort schwarze Schafe, aber das ist eher die Ausnahme. Seriöse private Züchter halten ihre Schildkröten im Freiland, inkubieren die Eier nicht unter 32 Grad und geben die Nachzuchten erst nach der ersten Winterstarre ab. Die Elterntiere sollten auf Herpes getestet sein.
Das Tierheim
Im Tierheim kann man Schildkröten, welche ausgesetzt wurden oder aus anderen Gründen abgegeben werden mussten, ein neues Zuhause geben. Es hat sowohl Nachteile, als auch Vorteile. Aber man muss sich darüber bewusst sein, dass man die Vorgeschichte nicht kennt.
- Die Schildkröte sollte komplett tierärztlich durchgecheckt werden, Kotproben und ein Herpes-Virus-Test sind davon Bestandteil
- Man muss damit rechnen, dass sie -auch wenn sie auf den ersten Blick gesund erscheint- krank ist und regelmäßige Tierarztbesuche notwendig sind
- Es gibt keine Papiere für solche Schildkröten und somit muss für die Vermarktung und Zucht eine Genehmigung eingeholt werden. Auch muss man damit rechnen, dass sich die Behörde deine Haltung ansieht.
- Schildkröten aus dem Tierheim sind nicht teuer, man zahlt ledigliche eine selbst bestimmte Spende für das Tierheim
Internetanzeigen
Egal welches Angebot man im Internet findet; Man sollte die Schildkröte auf jeden Fall vorab besichtigen. Schildkröten sind in der Regel sehr teuer. "Schwarze Schafe" im Internet nutzen diesen Vorteil für sich, um bei Vorkasse gutes Geld zu machen und anschließend zu verschwinden. Wenn man Glück hat und doch eine Schildkröte bekommt, muss man damit rechnen, ein krankes Tier zu erhalten. Regelmäßige Tierarzbesuche wären notwendig, die Vorgeschichte kennt man nicht. Und ob die gültigen Papiere dabei sind?
Aber es gibt durchaus auch seriöse Anbieter, die wegen Hobbyaufgabe ihre Tiere in gute Hände geben möchten. Die Schildkröten sowie die Haltung sollte man sich vor Ort ansehen und die Vorgeschichte erfragen.
Ich selbst habe eine Schildkröte aus dem Internet, wo ich an eine wirklich tolle Verkäuferin geraten bin. Ich bekam eine wunderschöne Schildkröte und bin auch heute noch mit der damaligen Halterin in Kontakt. Und all das, obwohl ich sie nie persönlich gesehen habe.
Es kann also sowohl positiv verlaufen als auch ein absoluter Reinfall und (finanzieller) Verlust sein.
Private Verkäufer
Bei privaten Verkäufern kann man sowohl an gesunde Schildkröten mit guter Vorgeschichte geraten als auch an verwarloste, falsch gehaltene, kranke Tiere kommen.
Man kann sich sowohl über eine gesunde Schildkröte erfreuen als auch die Freude daran haben, einem kranken Tier ein neues Zuhause bieten zu können.
Wie gesund sie ist und ob die vorige Haltungsweise sie bereits schädigte, wirst du nur erfahren, wenn du den Halter unverbindlich besuchst, dir die Schildkröte und die Haltung ansiehst und selbst abwägst, ob du dir die Schildkröte zu dir holen möchtest oder lieber auf einen seriösen, privaten Züchter "zurück greifst".
Reptilienbörsen
Reptilienbörsen sind interessant. Man sieht eine Vielzahl an Tieren, hat eine große Auswahl und trifft Menschen mit selben Interessen.
In Bezug auf die Tiere sollte man dessen Kauf jedoch nicht unterstützen. Sie haben eine weite Fahrt hinter sich, vielleicht auch schon mehrere. Sie werden in kleinen Boxen zur Schau gestellt, hoch genommen, wieder abgesetzt, gedreht und gewendet. Es ist purere Stress für die empfindlichen Reptilien und auch, wenn man sie am liebsten erlösen würde, überstützt man mit dem Kauf solche Geschäfte, denn verkaufte Tiere werden einfach wieder ersetzt und Nachfolger müssen selbiges erleiden.
Besser ist, auf den o.g, Privatzüchter zurück zu greifen. Dort haben sie ein Zuhause, wo sie bis zum Verkauf bleiben und artgerecht unterkommen.
