Häufige Krankheiten |
Parasiten |
Parasiten lassen sich zwar nicht vermindern, sind aber ofte die Folge falscher Haltung.
Oft bekommt man gar nicht mit, dass die Schildkröte darunter leidet. Erst, wenn es extrem ist, kann man vereinzelt im Kot die Eier oder gar Würmer erkennen. Die häufigste Art sind die Oxyuren und Hexamiten.
Behandlung
Mind. einmal jährlich sollte man eine Kotprobe vom Tierarzt untersuchen lassen oder einschicken (z.B. Exomed). Da nicht bei jeder Kotabgabe auch Parasiten ausgeschieden werden, ist es sinnvoll, drei aufeinander folgenmde Kotproben zu sammeln. Liegt ein Parasitenbefall vor, muss der komplette Bestand behandelt werden. Die erfolgt in den meisten Fällen mit Panacur, welches zwei Mal im Abstand von 2 Wochen per Knopfkanüle vom reptilienerfahrenen Tierarzt verabreicht wird. Anschließend sollte eine erneute Kotprobe untersucht werden, um sicher zu sein, dass die Wurmkur angeschlagen hat.
Sinnvoll ist daher, die Kotprobe vor der Starre untersuchen zu lassen, damit die Schidlkröte parasitenfrei eingewintert werden kann. Dass eine zweite Wurmkur notwendig sein könnte, muss also zeitlich eingeplant sein. Eine Wurmkur dauert 4 Wochen.
Vorbeugung
Im Freigehege lässt es sich schwer verhindern, da in "freier Wildbahn" alle gängigen Tierchen "herum geistern". Allerdings kann man z.B. im Frühbeet den Kot entfernen, um eine Ausbreitung zu verhindern. Auch sollte man niemals (!) Obst verfüttern, da dessen Fruchtzucker die Vermehrung fördert. Das Futter sollte rohfaserreich sein. Daher bitte ausschließlich Wildkräuter füttern.
Höckerbildung |
Höckerbildung ist keineswegs normal. Normalerweise haben Schildkröten einen glatten Panzer
Behandlung
Ein höckriger Panzer lässt sich nicht rückgängig machen und er verwächst auch nicht.
Vorbeugung
Als erstes ist das wichtigste, dass der Bodengrund feucht ist. Meist werden Schildkröten zu trocken gehalten. Sie deydriert, trocknet also aus und als Spätfolge sieht man äußerlich die Höckerbildung. Man sollte also Erde wählen, die die Feuchtigkeit gut speichert. Bei Jungtieren empfiehlt es sich, zusätzlich in den Höhlen Sphagnum Moss zu verteilen. Regelmäßig sollte das Bodensubstrat befeuchtet werden, nicht aber nässen.
Als zweites sollte man zu schnelles Wachstum verhindern. Hohe Temperaturen, fehlende Winterstarre und/ oder falsche Ernährung können Mitverursacher sein. Artgerechte, naturnahe Haltung verhindert also diese Schönheitsfehler, die jedoch auch innere Organe schädigen können und von außen nicht sichtbar sind.
Schnabelbildung |
Normalerweise schließt der Mund quasi fast ineinander über. Der Oberkiefer steht nicht über dem Unterkiefer. Bei der Schnabelbildung bildet sich wie beim Papagei oder Wellensittich ein Schnabel, der über den Unterkiefer ragt. Während er anfangs nicht stört, behindert er später die Futteraufnahme und kann letzendlich sogar zur Atemnot führen.
Behandlung
Ein reptilienerfahrener Tierarzt kann schnell das überstehende Horn abschleifen. Sofern darin noch keine Blutgefäße liegen, ist es schmerzfrei und leicht gemacht. Wer es sich zutraut, kann es auch mit einer Nagelfeile zuhause machen. Allerdings würde ich dies lieber einem Spezialisten überlassen.
Vorbeugung
Damit sich der Schnabel auf natürliche Weise abnutzt ist eine rohfaserreiche Ernährung wichtig. Obst, Salat und anderes Gemüse sind zu weich, als dass es den natürlichen Rückgang unterstützt.
Rohfaserreiche Wildkräuter hingegen sind nicht nur aus diesem Grund fördernd.
Desweiteren sollte zur Kalziumzufuhr stets eine Sepiaschale bereit liegen. das knabbern an dem harten Stück wirkt sich ebenfalls positiv aus.
Lange Krallen |
Die Krallen von Schildkröten sind recht kurz. Auf diesem Foto (Vierzehenschildkröte) sind die Krallen zwar noch im Normbereich, allerdings sollten sie nicht länger wachsen. Es ist der absolute Grenzwert. Wenn man lange Krallen unbehandelt lässt, werden sich darin Blutgefäße bilden, weshalb man sie dann nicht mehr kürzen kann. Im Extremfall wachsen sie dann krumm und behindern die Fortbewegung.
Behandlung
Mit einem Nagelknipser kann man die Krallen abschneiden. Allerdings nur dort, wo sich nicht die Blutgefäße befinden, die sich als dunklen Streifen im Nagel bemerkbar machen. Besser ist, die Kürzung vom Tierarzt vorzunehmen.
Vorbeugung
Damit die Schildkröte die Krallen auf natürliche Weise kurz halten kann, sind Klettermöglichkeiten notwendig. Wenn sie über Steine klettert und über Gehwegplatten läuft, bleiben die Krallen kurz.
Meist trifft dieses Problem also nur die Schildkröten, die auf engem Raum im Terrarium ohne Steine auf trockenem Substrat gehalten werden.
Rachitis (Panzerweiche) |
Rachits ist auch unter dem Namen "Panzerweiche" bekannt. Wie beim Menschen auch handelt es sich um eine Knochenweiche. Wie auf dem Foto zu sehen merkt man beim Eindrücken des Bauchpanzers, dass dieser nicht fest ist und sich ohne große Kraft eindrücken lässt. Bei frisch geschlpüften Jungtieren ist es normal, da sich die Festigkeit erst nach einigen Monaten einstellt. Die Seiten sowie der Rückenpanzer hingegen sollten relativ schnell fest sein.
Bei größeren hingegen ist ein weicher Panzer ein absolutes Alarmsignal. Während anfangs nur der Bauchpanzer weich ist, ist er im Extremfall auch am Rückenpanzer weich, er fällt ein (unteres Foto).
Behandlung
Wenn man die Rachitis rechtzeitig erkennt, kann es mittels erhöhter Kalziumzufuhr und viel UV Licht wieder in den Griff bekommen werden. je mehr Zeit jedoch verstreicht, desto niedriger sind die Überlebenschancen. Wichtig ist also, einen reptilienerfahrenen Tierarzt aufzusuchen.
Vorbeugung
Schildkröten bilden -wie wir Menschen- kein eigenes Vitamin D³ bzw. um dies bilden zu können, ist UV Licht notwendig. Damit also überhaupt Kalzium umgewandelt werden kann, muss dieses erst einmal aufgenommen werden. Am besten bewährt hat sich die Sepiaschale, die stets zum Knabbern bereit liegen sollte. Aber auch klein gestampfte Eierschalen oder Muschelgrit im Gehege können unterstützend wirken.
Aber ohne UV Licht nützt das Kalzium nicht viel. Damit es also umgewandelt und in die Knochen eingelagert werden kann, ist dieses absolut notwendig. Während bei Sonnenschein die natürliche Sonne die beste ist, ist im Innengehege bzw. langanhaltendem Schlechtwetter eine UV Lampe nötig. In einem Alltop Frühbeet bleibt diese meist ungenutzt, aber für den Notfall sollte man sie da haben. Bitte aber keine kombinierte Röhre oder anderen kombinierten Schrott aus dem Zoohandel kaufen, sondern wirklich reine UV Lampen. Osram und Lucky sind gute Marken.
Weißer Urin |
Viele stellen früher oder später fest, dass die Schildkröte weißen Kot absetzt und verfallen in Panik. Doch als erstes zur Beruhigung: Das ist keine Krankheit, sondern etwas ganz normales. Es handelt sich dabei auch nicht um Kot, sondern um die Urate, die im Urin enthalten sind und als weiße, kremige "Beilage" mit ausgeschieden werde. Und genau so ist es auch gut. Grund zur Sorge ist nur angebracht, wenn diese Urate (die nicht bei jedem "Wasserlassen" ausgeschieden werden), nicht ausgeschieden werden. Denn dann wurde die Nierenfunktion beeinträchtigt und es bildeten sich Kristalle, die den Harnweg verstopfen und bei fehlender Behandlung zum qualvollen Tod führen.
Die Schildkröte trinkt vermehrt, wird inaktiv und der Urin kann sich rot oder gelblich verfärben. Als Folge kann sich ebenfalls eine Gicht bilden, die desöfteren mit Übergewicht verwechselt wird.
Behandlung
Ein Tierarzt gibt ein Medikament, welches die Kristalle aflöst und sie somit auf natürlichem Wege ausgeschieden werden können.
Vorbeugung
Die Schildkröte sollte sowohl Wasser zum Trinken haben als auch einen feuchten Bodengrund (insbesondere am schlafplatz), damit der Wasserhaushalt aufrecht erhalten kann.
Die Ernährung sollte ausschließlich aus Wildkräutern bestehen. Insbesondere eiweißreiche und fruchtzuckerhaltige Nahrung beeinflusst die Bildung von Kristallen negativ.
Die Haltung sollte nicht zu dunkel sein. Daher ist die Freilandhaltung wichtig
Herpesvirus |
Wie auf dem Foto zu sehen sollte sowohl die Zunge als auch der Mundraum rosa sein. Schildkröten können -wie wir Menschen- Träger des Herpesvirus sein und es somit übertragen. In dieser Form ist es ungefährlich.
Bricht es allerdings aus (ausgelöst durch z.B. Stress), bildet sich ein weißer Belag auf der Zunge. Dennoch ist das Herpesvirus bei Schildkröten ein völlig anderes als bei uns Menschen. Es ist also weder auf uns übertragbar noch ungefährlich.
Behandlung
Eine Bahendlung gibt es nicht. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich enden.
Vorbeugung
Wenn man weiß, dass die Schildkröte Herpesvirusträger ist (nachweisbar über Blutprobe, nicht über Rachenabstrich !), kann man das Risiko eines Ausbruchs vermindern, indem man Stress so gut es geht verhindert. Lästige Artgenossen sollten also getrennt leben, ständiges Umhertragen sollte man verhindern.
Bei Neuzugang sollte man unbedingt die Quarantäne einhalten. Während der Quarantäne sollte man mind. zwei Blutproben untersuchen lassen, da die erste falsch negativ sein könnte. Erst, wenn die Bestätigung da ist, dass die neue kein Herpesvirusträger ist, kann man sie zusammen setzen. Nur so verhindert man die Verbreitung des Virus. Denn selbst wenn es nicht ausgebrochen ist, kann es übertragen werden und somit vielleicht bei sich selbst unschädlich sein, bei der anderen hingegen ausbrechen.
Lungenentzündung |
Eine Lungenentzündung macht sich bermerkbar, wenn die Schildkröte beim Atemzug extrem zuckt. Ein kleines Mitzucken ist normal, da es die Atmnung unterstützt. Bei einer Lungenentzündung ist dies jedoch stark ausgeprägt. Zusätzlich hört man leises Pfeifen mit jedem Atemzug. Sie atmet teilweise durch den Mund und selten tropft die Nase.
Behandlung
Der Tierarzt wird möglicherweise ein Antibiotikum verabreichen. Um aber festzustellen, ob Haltungsfehler, Viren oder Bakterien diese Lungenetzündung verursacht haben, ist eine ausgiebige Untersuchung notwendig.
Anschließend sollte man die Schildkröte schön warm halten und den Schleim von der Nase entfernen, da Schildkröten nicht niesen können und sonst die Gefahr der Erstickung gegeben ist.
Vorbeugung
In vielen Fällen ist es die Folge falscher Haltung. Vorallem gefährliche Zugluft auf dem Zimmerfußboden ist die Ursache. Daher sollte man die Schildkröte niemals auf dem Boden herum laufen lassen. Denn nicht nur die Zugluft sondern auch der damit verbundene Stress sind krankheitsfördernd.
Desweiteren sollten die Temperaturen stimmen, die Ernährung und die gesamte Haltung.
Legenot |
Eine Legenot bedeutet, dass eine Schildkröte Eier in sich trägt, diese jedoch aus verschiedenen Gründen nicht ablegen kann. Sie zieht sich zurück, wird inaktiv, frisst weniger. Dann ist schleunigstes Handeln gefragt, denn eine unbehandelte Legenot lässt die Eier miteinander verkalken und führt letzendlich zum Tod. Der Tierarzt kann Wehen einleiten, sodass die Eier abgelegt werden. In seltenen Fällen ist jedoch eine OP erforderlich. Ein Video dazu gibt es hier.
Behandlung
Als erstes wird der Tierarzt ein Röntgenbild machen. Bestätigt sich der Verdacht einer Legenot, werden die Wehen eingeleitet und Gleitmittel eingeführt, sodass die Eiablage erfolgen kann. Schafft man es auf diesem Wege nicht, müssen die Eier mittels OP entfernt werden.
Vorbeugung
Eine weibliche, geschlechtsreife Schildkröte legt auch ohne Männchen Eier. Dafür braucht sie einen Legehügel, der sonnig gelegen ist und mind. 10cm tiefe, grabfähige Erde hat. Das heißt, dass die Erde leicht auszuheben sein sollte, nicht jedoch wieder in die Grube zurück rutscht. Das gelingt meist mit einem Erde-Sand-Gemisch.
Meine Schildkröten haben den Legehügel noch nie beachtet, sondern an anderer Stelle den steinharten Lehmboden verwendet. Man sollte also nicht nur eine, sondern mehrere Ablagemöglichkeiten haben. Diese auch nicht erst, wenn die Schildkröte Eier in sich trägt, sondern berets weitaus früher, da schon mit Beginn der Frühjahrssaison eine geeignete Stelle gesucht und ggf. Probegrabungen durchgeführt werden.
Ein weiterer Aspekt ist die Proportion der Schildkröte. Bei einer Rachitis (s.o.), falscher Ernährung und/ oder Haltung wächst der Panzer unnatürlich dick oder fällt ein. Der Geburtskanal ist somit zu eng und die Eier können auch bei geeigneten Plätzen keine Eier ablegen. Daher ist ein langsames Wachstum, eine ausgewogene Ernährung, die richtigen Temperaturen, genügend UV Licht sowie Kalzium (Sepiaschale) von großer Bedeutung.

