Das Frühbeet Paula hat ein tolles Marketing und auf dem ersten Blick scheint es auch tatsächlich etwas Tolles zu sein. Aber leider steckt dahinter aus meiner Sicht Abzocke, um es mal provokant so mit persönlicher Meinung zu sagen.

  • Was als erstes auffällt sind die dünnen Platten. Ich selbst empfehle gern 16mm Frühbeete, würde aber 10mm als Mindestwert angeben mit dem Hinweis, diese nur in eher wärmeren Regionen zu verwenden. Paula hat mit seinen 8mm zwar mehr Stärke als so manche Discounter Ware, aber eben dennoch halb so viel als das, was empfohlen wird. Je dünner die Platten, desto höher sind die Stromkosten, da die Wärme leichter wieder verloren geht.

  • Das Schiebedach ist eine nette Spielerei, in der Schildkrötenhaltung aber findet sie keine Verwendung. Wir brauchen ein Pultdach (man kann Paula auch nach oben wie ein Pultdach öffnen), damit der automatische Fensteröffner arbeiten kann. Durch das Schiebedach hat man im Dach das Risiko, dass an den überlappenden Stellen Regenwasser durchdringt. Man muss also aufpassen, dass in diesem Bereich kein Regen auf darunter liegende Technik tropfen kann.

  • Die Pendeltür scheint praktisch, allerdings haben wir zwei Nachteile. Das eine ist, dass die Pendeltür nicht von jeder Schildkröte selbst geöffnet werden kann. Während adulte durchaus durch marschieren können, schaffen Jungtiere es nicht, das Gewicht der Türe zu überwinden. Das zweite ist, dass um die Tür nutzen zu können, das Frühbeet auf dem Boden stehen muss. Dadurch erzeugt man rund herum aufgrund der transparenten Hohlkammerplatten eine nicht-blickdichte Begrenzung, welche generell in der Schildkrötenhaltung nicht empfehlenswert ist.

  • Werfen wir einen Blick auf die Größe: Die Grundfläche ist mit 100x75cm anfänglich durchaus ausreichend, im Vergleich zu den Frühbeeten von z.B. Beckmann jedoch deutlich kleiner, welche eine Grundfläche von rund 1x1m haben. Die Höhe ist ebenfalls abweichend, ganze 10cm ist Paula niedriger.

 

  • Schauen wir uns aber die Vorteile an: Das Frühbeet ist mit 8mm zwar dünn, aber es gibt Schlimmeres. Wer mit 4 oder 6mm startet, hat da wesentlich schlechtere Qualität. Das Schiebedach ist zwar unnötig und ggf. bei Regen nachteilig, aber wenn man die Schwächen kennt, darauf achtet und einen Fensteröffner einsetzt, kann man darüber hinweg sehen. Das Netzt zum Schutz vor Vögeln ist praktisch, aber unnütz. Vögel fliegen normalerweise nicht auf so niedriger Ebene „um die Ecke“ in ein Frühbeet hinein. Zumindest nicht die Vögel, die als potentiell gefährlich gelten. Alle anderen Feinde werden durch ein Netz nicht abgehalten. Aber es schadet natürlich nicht, das Netz einzusetzen und den Zugang für Feinde zumindest zu erschweren. Die Tür ist wie gesagt nicht ideal, wenn man aber einen Stock drunter platziert, die Tür tagsüber somit durchgehend offen hält und Durchzug mit Lamellen mindert, ist die Tür ganz praktisch. Mit Materialien wie z.B. Schneckenzaun kann man das Frühbeet im Sichtbereich blickdicht gestalten. Der Bau eines Sockels bleibt allerdings nicht erspart, da der unterirdische Schutz vonnöten bleibt. Der Hersteller wirbt damit, dass er eine Sonderanfertigung für Alltop hat (normalerweise hat Alltop breitere und dickere Stege). Ob das Frühbeet wirklich so viel UV Licht durch lässt, kann ich mir nicht vorstellen, will es aber auch nicht abstreiten. Somit kann man sagen, dass das Frühbeet durchaus seine Berechtigung. Ob es dauerhaft glücklich macht ist sicherlich eine Frage des Energieverbrauchs und allgemein wie man damit zurecht kommt, was man braucht, möchte, worauf man Wert legt und worauf man verzichten kann. Es gibt durchaus einige Halter, die voll zufrieden sind, aber eben auch das Gegenteil, die den Kauf bereut haben. Ich würde sagen die Zahl der geschätzten Rückmeldungen liegen bei etwa 50:50 von denen, die zufrieden sind vs. denen, die lieber in etwas Besseres investiert hätten, auch wenn die Amazon & Co. Bewertungen anders ausschauen.

 

  • Werfen wir zu guter letzt einen Blick auf den Preis: Mit 240-270€ ist das Frühbeet nicht gerade günstig. Von einer „Übergangslösung“ wird man daher wohl eher nicht sprechen sondern plant durchaus, das Frühbeet länger in Gebrauch zu haben. Und genau darin sehe ich das Problem. Für 50-100 € würde ich durchaus sagen, dass jemand, der ein kleines Budget hat durchaus damit starten kann und irgendwann später auf ein gutes umsteigt. Hier aber startet man in ähnlicher Preisklasse wie das zuvor verglichene Beckmann Frühbeet, welches zwar keine Tür hat, aber mit 16mm doppelt so dick ist, 10cm höher und 25cm breiter. Und das, für einen ähnlichen Preis von 260€.

 

Meine persönliche Meinung daher: Wer ein Budget von rund 250€ hat, sollte sein Geld nicht bei Paula lassen sondern woanders ist es besser aufgehoben. Soli Animalis wäre ebenfalls eine empfehlenswerte Alternative, dies gibt’s auch mit Tür  und blickdichten Sockel.

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