Kronenzeitung 05/ 2026 |
Schildkröte mit drei Beinen
Fast pünktlich zum Weltschildkrötentag am 23. Mai konnte Ines Kosin mit ihrem Verein "Chüücha" in Güssing einem verletzten Tier helfen. Sie appelliert, Fundtiere zu melden.
Glück im Unglück hatte eine schwer verletzte Schildröte. Eine Spaziergängerin fand das Tier in Rosenberg und suchte Hilfe beim Verein "Chüücha" von Ines Kosin und Ehemann Norman in Güssing. Schnell war klar: Hier muss sofort gehandelt werden. Die Schildkröte hatte eine offene Wunde, das Unterbein fehlte und der Knochen lag frei. "Vermutlich wurde das Bein von einem Marder oder einer Ratte verletzt beziehungsweise abgebissen", so Ines Kosin. Nach mehreren Telefonaten konnte noch am selben Abend ein Tierarzt gefunden werden, der das Bein amputierte. Inzwischen ist die Wunde gut verheilt. Die Schildkröte lebt derzeit im Quarantäne-Außenbereich, wo sie gegen massiven Parasitenbefall behandelt wird und sich langsam an den Alltag mit drei Beinen gewöhnt. Ein Besitzer hat sich bislang nicht gemeldet.
Für Ines Kosin ist die Rettung des Fundtiers nur ein Beispiel dafür, wie wichtig Aufklärungsarbeit rund um Schildkrötenhaltung ist. Im Jahr 2020 gründete sie den Schildkrötenverein "Chüücha" mit Sitz in Güssing, aufgebaut auf 30 Jahren Erfahrung mit europäischen Landschildkröten. Heute leben bei ihr mehr als 30 Griechische Landschildkröten in Freigehegen.
Sensibilisierung für artgerechte Haltung
Der Schwerpunkt des Vereins liegt auf der Sensibilisierung für artgerechte Haltung und das Wohlbefinden der Tiere. Über soziale Medien, YouTube und verschiedene Projekte erreicht Kosin tausende Schildkrötenhalter und Interessierte. Besonders wichtig ist ihr dabei die naturnahe Haltung europäischer Landschildkröten. "Terrarienhaltung und Salatfütterung bei europäischen Arten bringt viele gesundheitliche Schäden mit sich", sagt sie. Durch ihre Arbeit konnte Kosin bereits tausenden Schildrkötenhaltern behilflich sein, wodurch sich die Aktivität und Gesundheit der Tiere nachweislich verbessert hat.
Am Herzen liegen der Expertin auch Fundtiere: "Viele Schildkröten, die bei uns gefunden werden, werden entweder fälschlicherweise als heimisch betrachtet, oder als ausgesetzte `gerettet`. Dass oft traurige Besitzer sehnsüchtig hoffen, ihren ausgebüchsten Liebling zurück zu bekommen, wird oft vernachlässigt." Deshalb appelliert sie, gefundene Schildkröten immer zu melden und nach möglichen Besitzern zu suchen.
Melanie Leitner
